Power to the People of Iran
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Brainstorm

Summerjam-Resümee

So, der ganze Krempel ist langsam wieder verstaut, die Klamotten sind in der Wäsche, ich war mal wieder in gewohnter Umgebung lang und ausgiebig warm duschen und ganz entspannt scheissen. Zeit ein kleines Fazit vom diesjährigen Summerjam an der Cologne Bay zu ziehen. Fangen wir mit den negativen Punkten an, denn Blogger ansich sind ja ein sehr kritisches Völkchen, und wenn wir das positive an den Schluss packen bekommen wir auch unser Happy End.

1. Das Wetter

Irgendjemand hat seinen verfickten Teller nicht aufgegessen, und meine Sonnenanbeter-Tänze haben nicht viel gebracht: Am Dienstag Nachmittag bin ich mit meinem Homie die erste Tour zum Jam gefahren, und schon während dem Pavillon-Aufbau fing es an zu pissen. Das änderte sich auch in den nachfolgenden Stunden nicht, und so blieb uns nichts anderes übrig als die wenigen kurzen Regenpausen zu nutzen um unser Camp aufzuschlagen und unsere und die Zelte der Nachzügler im Boden zu verankern. War ne ziemlich nervige Angelegenheit, aber wir haben es geschafft, relativ trocken zu bleiben und unsere Dächer noch vor dem ersten richtigen Wolkenbruch orkansicher zu machen.
Das war auch unser Glück, denn während den folgenden Tagen wurde es ziemlich windig und nass, und wir konnten von den Liegestühlen aus beobachten wie ein Pavillon nach dem anderen durch die Gegend flog, und alle damit beschäftigt waren ihren Kram beisammen zu halten. Unsere Konstruktion aus Heringen, an Bäumen festgezurrten Seilen, und mit Panzertape zusammen gebundenen Pavillon-Stangen wackelte zwar ordentlich hin und her, erwies sich aber als außerordentlich stabil. Was unsere Nachbarn natürlich gleich dazu veranlasste, ihre Pavillon- Planen- und Zeltkonstruktionen mit unserem Camp zu verschnüren. Auch das ging gut klar.
Und so verbrachten wir die ersten drei Tage überwiegend damit, uns unter dem wasserdichten Pavillon dick eingepackt aneinander zu kuscheln, dicht zu werden, Musik zu hören, und belangloses Zeug zu labern (dazu später mehr).
Nebeneffekt des beschissenen Wetters war zum einen die Tatsache dass die Leute die von weiter weg kamen, und nur das nötigste mitgenommen hatten, unsere Gastfreundschaft in Anspruch genommen haben, um trocken zu bleiben. Das ist ansich ne schöne Sache, und einer der Gründe warum ein Festival ohne Camping (ich sag nur Hotel-Weichei-Walter) kein richtiges Festival ist (da fehlt halt einfach der Nachbarschafts-Aspekt), hat aber auch Nachteile. Aber auch dazu später mehr.
Der größte Nachteil an dem beschissenen Wetter ist aber das Erkältungsrisiko. Wenn man den ganzen Tag im feuchten sitzt und sich abends ins feuchte Zelt legt, nur um dann morgens wieder im feuchten zu chillen, lassen die Bazillen nicht lange auf sich warten. Und obwohl ich eigentlich überhaupt nicht anfällig für Krankheiten bin, hats mich dieses Jahr voll erwischt. Bis Freitag ging noch alles gut. Samstag stellten sich dann ekelhafte Halsschmerzen ein, die ich mit ausreichend Becks einigermaßen erträglich werden lassen konnte. Sonntag ließen die Halsschmerzen dann nach, dafür lief mir den ganzen Tag der Rotz aus der Nase. Dazu gesellte sich ein in regelmäßigen Abständen auftretendes Niesen. Ich fühlte mich wie ein wandelnder Grippevirus, der alles um sich herum ansteckt. Zum Glück hatte ich in weiser Voraussicht eine Familienpackung Tempos eingepackt, und konnte alle viertel Stunde eins von den Dingern vollrotzen. Die nächtlichen After-Show-Partys unterm Pavillon waren für mich immer früh zu Ende, denn irgendwie wollte mit der Tempopackung im Anschlag keine richtige Gemütlichkeit aufkommen - auch wenn das Wetter am Wochenende wieder einigermaßen mitgespielt hat.

2. Die Leude

Wie oben schon erwähnt lebt ein Festival von der Camping-Stimmung und den ganzen Leuten die da rumschwirren. Das schöne am Summerjam sind die verschiedenen Kulturen die da aufeinander treffen - “Melting Culture and Styles” so das Motto für den diesjährigen Jam. Und es passt wie die Faust aufs Auge. Denn man trifft weiße, schwarze, braune, gelbe, Deutsche, Österreicher, Schweizer, Franzosen, natürlich Jamaikaner, und jede Menge andere Völker. Alle sind gut drauf - was bei vielen am erhöhten Alkoholpegel und dem Marihuanakonsum liegen mag - und es gibt nie Stress. Einer unserer nächtlichen Besucher hat das gut auf den Punkt gebracht: “Das find ich so geil am Summerjam: Hier gibt’s nie Ärger oder Schlägereien. Das schlimmste was hier passiert sind Sprüche wie ‘eeeey. Du Arsch.’ - ‘eeeey. Selber Arsch.’ Und dann gehen beide weiter und feiern zusammen den nächsten Act.”
Summerjam-Besucher sind nunmal nicht besonders Aggro, und nur auf ein bisschen gute Musik aus. Deswegen ist mir in den ganzen Jahren auch noch nie eine Schlägerei oder ähnliches aufgefallen, und so muss es sein.

Irgendwie finden sich aber unter den 25.000 Menschen die dieses Jahr da waren auch viele Vollidioten. Nicht die Kategorie aggressiver Vollidiot der Stress anzettelt, sondern die Kategorie freundlicher Typ der sich sein komplettes Hirn weggekifft hat und nicht mehr peilt was er labert. Solche Leute ziehen wir mit unserem Camp jedes Jahr auf’s neue magisch an. Vielleicht weil Kiffer am liebsten im Warmen auf gemütlichen Sitzgelegenheiten chillen, vielleicht weil bei uns immer Musik läuft, ich weiss nicht woran’s liegt. Jedenfalls hatte ich dieses Jahr wieder die Gelegenheit viele Vertreter dieser Kategorie zu studieren. Und irgendwie hatte ich nicht den Eindruck dass die nur Scheisse labern weil sie dicht im Gesicht sind. Ich wage zu behaupten dass es einen Unterschied zwischen “ich laber Mist weil ich dicht im Gesicht bin” und “ich bin von natur aus hohl im Kopf und laber Mist; und heute bin ich eben auch noch breit” gibt, und ich diesen erkenne. Die meisten unserer nächtlichen Besucher fallen eindeutig in die zweite Kategorie, und werden nach spätestens einer halben Stunde nervig. Manche merken das selber, bedanken sich für die Gastfreundschaft, und gehen dem nächsten auf den Sack. Manche sind aber zu weggeknallt um das zu merken, und die muss man dann freundlich aber bestimmt wegschicken. Wenigstens das haben aber alle verstanden, und so konnten wir die nervigen aussortieren und die angenehmen “behalten”.
Davon gab es nämlich auch einige, und dank StudiVZ können wir Kontakt halten. Voll Web zweinullisch Homie.
Einen dieser netten Vertreter möchte ich mal besonders hervorheben, der ist mir nämlich im Gedächtnis geblieben - auch wenn er nicht zu den nächtlichen Campbesuchern gehörte. Ich chillte grade auf der Wiese neben der grünen Stage, als mir von hinten ein schwarzer Riese mit Dreadlocks auf die Schulter tippt: “Yoooo maaaahn. Isch wollte grade mal pinkeln gähn, kannst du vielleischt kurz auf meine Wassahflasche aufpassen? Du kannst drinken wenn du mahgst, OK?” - “Jahman kain Probläm. Isch pahse auf, geh in Ruhe pinkeln”. Er geht sicken, kommt wieder: “Dahnke mahn. Hast du gedrunken?” - “Jah, danke.” - “OK gut mahn. Dahnke dass du aufgepahst hast. Viel Spaß noch auf däm Jäm OK? Genieß es mahn.” - “Jahmahn du auch. One Love!”

3. Die Hygiene

Kritischer Punkt. Ist bei jedem Festival so. Mit Dixies hab ich kein Problem. Der Mief geht mir am Arsch vorbei, solange die Dinger weit genug von meinem Zeltplatz weg sind und ich mich dem Gestank nicht länger als ne Viertelstunde aussetzen muss. Auch mit den Klobrillen hab ich kein Problem. Einmal abwischen, bisschen Klopapier drauf auslegen, und dann schön ne Stange Nougat aus dem Rücken drücken. Desinfektionszeug und so brauch ich nicht, und ich hab noch nie Probleme bekommen. Ich gehöre - wie George Carlin - zu den Leuten die das Prinzip der Abhärtung durch Viren propagieren:

Where did this sudden fear of germs come from in this country? Have you noticed this? The media constantly running stories about all the latest infections? Salmonella, E-coli, hanta virus, bird flu, and Americans will panic easily so everybody’s running around scrubbing this and spraying that and overcooking their food and repeatedly washing their hands, trying to avoid all contact with germs. It’s ridiculous and it goes to ridiculous lengths. In prisons, before they give you lethal injection, they swab your arm with ALCOHOL. Wouldn’t want some guy to go to hell AND be sick.

Fear of germs, why these fuckin’ pussies. You can’t even get a decent hamburger anymore they cook the shit out of everything now ’cause everyone’s afraid of FOOD POISONING! Hey, wheres you sense of adventure? Take a fuckin’ chance will you? Hey you know how many people die of food poisoning in this country? Nine thousand, thats all, its a minor risk. Take a fuckin’ chance bunch of goddamn pussies.

Besides, what d’ya think you have an immune system for? It’s for killing germs! But it needs practice, it needs germs to practice on. So if you kill all the germs around you, and live a completely sterile life, then when germs do come along, you’re not gonna be prepared. And never mind ordinary germs, what are you gonna do when some super virus comes along that turns your vital organs into liquid shit?! I’ll tell you what your gonna do … you’re gonna get sick. You’re gonna die and your gonna deserve it because you’re fucking weak and you got a fuckin’ weak immune system!

Let me tell you a true story about immunization ok. When I was a little boy in New York city in the nineteen-forties, we swam in the Hudson river. And it was filled with raw sewage! OK? We swam in raw sewage, you know, to cool off. And at that time the big fear was polio. Thousands of kids died from polio every year. But you know something? In my neighborhood no one ever got polio. No one! EVER! You know why? Cause WE SWAM IN RAW SEWAGE! It strengthened our immune system, the polio never had a prayer. We were tempered in raw shit!

So personally I never take any precautions against germs. I don’t shy away from people who sneeze and cough. I don’t wipe off the telephone, I don’t cover the toilet seat, and if I drop food on the floor I pick it up and eat it!

Even if I’m at side walk cafe!

IN CALCUTTA!

THE POOR SECTION!

ON NEW YEARS MORNING DURING A SOCCER RIOT!

And you know something? In spite of all the so called “risky behavior “…. I never get infections. I don’t get em. I don’t get colds, I don’t get flu, I don’t get headaches, I don’t get upset stomach, And you know why? Cause I got a good strong immune system! And it gets a lot of practice!

My immune system is equipped with the biological equivalent of fully automatic military assault rifles, with night vision and laser scopes. And we have recently acquired phosphorous grenades, cluster bombs and anti personnel fragmentation mines. So, when my white blood cells are on patrol reconnoitering my blood stream seeking out strangers and other undesirables, and if they see any, ANY, suspicious looking germs of any kind, THEY DON’T. FUCK. AROUND. They whip out the weapons, they wax the motherfucker and deposit the unlucky fellow directly into my colon! Into my colon. There’s no nonsense! There’s no miranda warning, there’s none of that three strikes and your out bullshit. First defense, BAM! Into the colon you go!

Insofern alles OK wenn’s ums Kacken geht. Die Dixies die ich besucht hab waren auch nie mehr als halbvoll weil sie regelmäßig geleert (nicht aber gesäubert) wurden, von daher passt das. Mit Pissoirs sind die Dinger auch ausgestattet, das minimiert die Spritzer auf der Klobrille enorm. Und da genug von den Dixies und TOI TOIs vorhanden waren, haben die wenigsten in die Büsche gepisst. Das ist auch gut so, denn wenn ich permanent den Geruch von Pisse in der Nase habe weil jeder in die Büsche macht werd ich leicht Aggro. “Keep Cologne Bay clean. Don’t piss on the grass” stand auf den Schildern. Richtig so!

Extrem angenervt hat mich allerdings die Sache mit den Duschen. Die Area um das Freibad wurde dieses Jahr weiträumig abgezäunt, für Familien mit Kindern, damit die nachts ihre Ruhe haben. Kann ich ja verstehen, find ich ja auch gut dass auch an die Kleinen gedacht wird. Wenn das aber heisst dass vier von fünf Duschquadraten (mit jeweils 4 Duschköpfen) nicht benutzt werden können, und an dem einen, das für die Öffentlichkeit freigegeben ist, auch nur die Hälfte der Duschköpfe funktioniert, dann krieg ich dicke Eier. Klar, es gibt noch die Containerduschen am Haupteingang, aber da kostet einmal duschen 3 Euro. Wahrscheinlich einen Euro dafür dass man nicht Open Air duschen muss wie das am Freibad der Fall ist, und zwei dafür dass das Wasser warm ist. Wenn die Sonne scheint zumindest. Denn die Dinger laufen mit Solarenergie. Und die bringt nichts wenn es die ganze Zeit regnet und bewölkt ist, da heizt sich gar nichts auf. Oder die Dinger sind dem Ansturm nicht gewachsen - wie letztes Jahr passiert. Da war dann auch am ersten Tag schon das warme Wasser weg, obwohl (oder gerade weil?) die Sonne geknallt hat wie Sau. Irgendwann war das Wasser komplett weg, auch am Freibad, weil’s so heiss war.
Insofern ist es egal obs heiss ist oder die ganze Zeit am sicken, die Sache mit den Duschen und der Wasserversorgung klappt beim Summerjam so oder so nicht. Außer an dem einen Jahr, an dem Fa den ganzen Parkplatz am Haupteingang mit Duschkabinen zugepflastert hat, so Promotion-Sponsoring-Mäßig. Es gab Warm- und Kaltwasserduschen. Es gab kostenlose Duschgel-Probepackungen, die locker ausgereicht haben. Es gab sogar fetten Dancehallsound aus dicken Boxen, sodass man beim Duschen abdancen konnte. Aber das haben sie nie wieder auf die Beine gestellt. Schade eigentlich. Für den “Luxus” wäre ich auch gerne bereit mir einen Jahresvorrat Fa oder Axe Produkte aufschwatzen zu lassen. Ich würde auch 3 Euro pro Duschgang locker machen. Ich will halt nur für das Geld auch was bekommen.

Jedenfalls blieb uns dieses Jahr nichts anderes übrig als einen Nachmittag im nahegelegenen Aqualand zu verbringen. Das ist vom Festivalgelände nur 10 Minuten Fußmarsch entfernt. 9,90 Euro ist das günstigste Angebot. Dafür darf man zwei Stunden planschen, duschen, kacken, rutschen, im Whirlpool chillen, etc. pp. Summerjam-Besucher können für die 9,90 vier statt zwei Stunden im Aqualand bleiben, special offer. Schöner wär natürlich ein “Duschen-Kacken-Einmal-Reinspringen-Angebot” für 5 Euro, dann hätten wir uns dieses (zugegebenermaßen SEHR entspannende) Erlebnis auch ein zweites und drittes Mal gegeben. Aber so blieb es dann bei einem Aqualand-Besuch. Die zweite Dusche haben einige von uns zu Hause genommen (einmal vom Parkplatz runter und wieder rauf fahren kostet 5 Euro), manche hatten gutes Timing und mussten sich am Freibad nicht in eine ewig Lange Schlange anstellen und haben da geduscht. Irgendwie alles noch extrem ausbau- und verbesserungsfähig. Ich hab aber den Eindruck dass es von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Kotzt mich an.

4. Der Müll

Auch so ein Festival-Problem das jeder kennt. Beim Summerjam hält es sich - wie ich gehört habe - noch in Grenzen, im Vergleich zu anderen Festivals. Es gibt genügend Müllcontainer, die allerdings nach ein paar Tagen auch überquillen und immer erst nach dem Festival geleert werden. Dieses Jahr sind auch Leute durch die Camps gelaufen und haben kostenlos Müllsäcke verteilt. Finde ich ne gute Sache. Dummerweise gibt es aber viele Drecksschweine die ihren Müll einfach in die Pampa werfen. Ich verstehe nicht was daran so schwer ist den ganzen Kram in einem Müllsack zu sammeln, aber einigen Leuten scheint das zuviel Arbeit zu sein. Da können aber die Veranstalter nichts für, insofern kann man Contour da keinen Vorwurf machen. Vielleicht sollte man mal über ein Müllpfand nachdenken, das wär noch so ne Sache die man durchziehen könnte. Fünf Euro extra zahlen, dafür bekommt man einen Müllsack in die Hand gedrückt, und wenn man ihn wieder abgibt, bekommt man die fünf Ocken zurück. Auch ne gute Sache, würde sicher gut funktionieren. Ansonsten aber nichts zu meckern in Sachen Müll, war noch im annehmbaren Bereich.

5. Die Preise

Damit kommen wir langsam zu den angenehmeren Sachen. Preismäßig kann man sich beim Summerjam echt nicht beklagen. Die Karte für das ganze Festival kostet 74 Ocken, Camping (von Do-Mo) einbegriffen. Frühcamper zahlen 10 Euro pro Tag extra. Das ist eigentlich auch noch akzeptabel, hat uns 20 Euronen extra gekostet. Parken kostet 10 Euro, von Dienstag bis Montag. Finde ich auch OK. Dumm nur dass am Dienstag noch keine “Ich-Will-Nochmal-Runter-Vom-Parkplatz-Tickets” verteilt wurden. So musste man, wenn man denn nochmal vom Parkplatz runter und wieder rauf wollte, nochmal nen Fünfer abdrücken. Das muss nicht sein finde ich. Wenn von 25.000 Leuten 15.000 den offiziellen Parkplatz in Anspruch nehmen, und nen Zehner dafür abdrücken auf dem schlammigen Acker zu parken, dann sollte das genug Kohle geben um den Bauern (oder die Stadt Köln oder wen auch immer) und die Parkplatz-Security zu bezahlen. Vermute ich jetzt einfach mal so, als Nicht-Insider.
Sehr angenehm sind aber die Preise an den Fress- und Bierbuden. 2,80 Euro für ein Bier plus 1,50 Pfand für die Becher. Ist OK will ich meinen. Nicht billig, aber OK. Die Cocktails schlagen mit 6,50 schon ordentlich zu Buche, aber davon gönnt man sich ja auch nicht mehr als einen. Fresstechnisch gibt’s eine Riesenauswahl. Die üblichen Pizza-, Döner- und Pommesbuden sind natürlich am Start, ich persönlich lasse die aber gerne links liegen und gebe mir ein bisschen Jamaican Food, was chinesisches oder indisches. Da gibt’s von der Reispfanne über die Tortellini bis zu Bratnudeln alles was das Herz begehrt, zu annehmbaren Preisen - drei bis fünf Euro für ne ordentliche Portion. Da braucht man sich nicht unnötig schwer mit Dosenfutter zu beladen, sobald man auf der Insel ist, ist die Futterversorgung eh gesichert.

6. Das Personal

Ich weiss ja nicht was die Security-Typen für Anweisungen bekommen, aber irgendwie sind die zum Großteil kacken unfreundlich. “Hier kannste nich parken” und “Fahr sofort das Auto hier weg” gehören zum Standard-Repertoire der Einweiser. Und die sagen das nicht in dem Ton, in dem “Servicekräfte” mit einem umgehen, die führen sich auf wie kleine Hilfssheriffs. Manchmal hab ich den Eindruck, sobald die ihre Security-Weste anziehen, legt sich in ihrem Hirn derselbe Schalter um, der sich bei Polizisten umlegt: “Ich Chef. Du nix.” Oder wie Michael Mittermeier mal gesagt hat: “Da bläht sich der Sack auf - FUMP - ‘Ööööh ich bin der Geilste’.” Ich kann verstehen dass man genervt ist wenn man 100mal am Tag denselben Satz aufsagen muss, aber das muss ich in meinem Job auch, und wenn ich da die Leute so anraunzen würde, hätte ich die längste Zeit einen Job gehabt. Ist mir unverständlich wie man solche Leute dafür einstellen kann. Der beste war der Einweiser dem wir am Dienstag begegnet sind, der mittags um zwei schon so derbe nach Alkohol gestunken hat, dass man meinen konnte der verbringt seine Tage sonst vor dem Kiosk an der Ecke. Scheisse unfreundlich, alkoholisiert, und keinen Plan von gar nichts (”wo kann man denn hier parken/entladen?” - “wo ist denn hier ein Supermarkt?”), genau so hab ich mir Security-Personal vorgestellt.

Glücklicherweise gab es auch den einen oder anderen netten Vertreter dieser Gattung. Die hatten komischerweise immer orange Westen an, wie die Müllabfuhr. Vielleicht gibt es da Einstellungstest, durch die man durch muss, und aufgrund derer dann entschieden wird ob man eine orange oder eine gelbe Weste anziehen muss. Orange für freundlich und zuvorkommend, und gelb für Oberarsch. Kommt mir jedenfalls so vor.

7. Die Musik

Kommen wir zum wesentlichen. Über die Infrastruktur hab ich jetzt genug abgelästert, eigentlich geht man ja auf ein Festival um sich gute Musik zu geben. Und da kann man dieses Jahr wirklich nicht meckern. Grade ich als Auch-HipHop-Möger nicht. Im Summerjam-Board wurde geranted was das Zeug hält, viele haben sich über die HipHop lastige Auswahl an Acts aufgeregt. Ich teile diese Aufregung nicht, ganz im Gegenteil. Die grüne (= kleine) Bühne war dieses Jahr mein Revier. Die rote (= große) Bühne habe ich nur für T.O.K., Sizzla (hab ich nur zur Hälfte gesehen), und Sebastian Sturm besucht. Ansonsten war dicke HipHop Party zu Blumentopf, Talib Kweli, und Co. angesagt.

Blumentopf hat mal wieder eine richtig dicke Show hingelegt, so wie man’s von ihren Konzerten gewohnt ist. Weil ich das neue Album nicht mein eigen nenne (die Songs sind mir zu poppig geworden), kannte ich einige der Songs nicht, tat der Show aber keinen Abbruch. Zu hören gab’s eine gute Mischung aus altem und neuem Shit. Der Horst war dabei, Max Mustermann (sogar mit Umzieh-Action wie auf den Konzerten), 6 Meter 90, Partysafari, Die Jungs aus dem Reihenhaus, Was der H.A.N.D.E.L., eigentlich alles was man sich von so einem Auftritt wünschen kann. Ordentlich Freestyle war selbstverständlich auch am Start, da wurde ordentlich mitgenickt und respect gegeben. Sehr, sehr dicke Show. Blumentopf ist halt immer einen Besuch wert.

Vorher war Clueso am Start, den hab ich aber nur halb gesehen, weil ich mir den Anfang von Sizzla noch gefahren hab. Erwartungsgemäß war’s eher chillig, meine Befürchtungen hinsichtlich Frauen-Musik haben sich aber zum Glück nicht Bewahrheitet. “Egal wo” hatter auch gespielt, mit Support vom Topf - ist natürlich praktisch wenn die gleich danach dran sind. Im Gegenzug hat der Topf “Manajah” gezockt, und Clüsen nochmal auf die Bühne geholt. Kommt natürlich auf dem Summerjam extrem geil der Track.

Richtig dick waren auch The Roots. Ist mir unbegreiflich woher das kommt, aber Amirap und Deutschrap kann man einfach nicht vergleichen, das ist ne andere Liga. The Roots stechen natürlich mit ihrem Live gespielten Sound nochmal hervor, der kommt einfach viel dicker als das DJ-Zeug. Besonders beeindruckt hat mich der Typ mit der Tuba, der mit dem schweren Ding während der kompletten Show auf und ab getanzt und gesprungen ist und die ganze Zeit ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. Ich möchte echt nicht wissen wieviel Zeit der so im Fitnessstudio verbringt um die Shows durchzustehen. Echt beeindruckend, hat mich tierisch gefreut The Roots mal live gesehen zu haben, much respect an die Veranstalter!

Ähnlich fett war der Auftritt von Talib Kweli, der für IAM (aus Frankreich - mussten absagen) eingesprungen ist. Es war ein bisschen wie Perlen vor die Säue (”Alter wer kommt jetzt nochmal für IAM?” - “Talib Kweli” - “Wer? Talli Qualli?” - “TALIB KWELI MANN!” -”Aha. Und der ist auch Franzose oder was?” - “Nein Mann der ist Ami.” - “Und was macht der für Mucke? Reggae?” - “Nein Mann, HipHop.” - “Aha. Kenn ich nicht.” - “Kennste nicht ‘Get By’?” - “Ne, kenn ich nicht.” - “Kennste denn MOS DEF?” - “Ne, auch nicht.” - “Gut Alter, ich geb’s auf. Wenn wir wieder zu Hause sind geb ich dir mal Nachhilfe.”).
Aber auch die, die Talib Kweli noch nicht kannten, mussten zugeben dass der geilen Sound macht. Schon der DJ hat die Massive auf Touren gebracht. Mit “Yeahs” hat er seinen Soundcheck gemacht, und wir konnten nicht widerstehen zurück zu yeahen. Er hats gemerkt, musste lachen, und seine Yeahs wurden immer lauter. Von “yiah yiah yiah” zu “YEAH - YEAH! - YEAAAH!!”. War’n lustiger Auftakt. Als Mister Kweli dann auf der Stage stand gingen die Hände hoch und die Hütte hat gebrannt. Rischtisch geil Mann.

Beeindruckt hat mich auch der Auftakt von Bauchklang, einer Crew aus Österreich, die - ähnlich wie die WiseGuys - Acapella Sound machen. Vom Sound her ging mir das zu sehr Richtung Techno, ganz schön abgefahrene Beats, nicht wirklich HipHop, überhaupt nicht Reggae. Aber es war krass zu merken was man so alles mit ein “bisschen” Beatbox hinkriegen kann. Hätte man die Augen geschlossen, man hätte nicht gehört dass hier alles Acapella ist. Sehr beeindruckend.

Mein persönliches Highlight in diesem Jahr war aber Sebastian Sturm. Sebastian hat am Samstag die Show eröffnet, um 12.30 Uhr ging’s schon los. Aber ich hatte mir fest vorgenommen früh genug aufzustehen und mich aufzuraffen hinzugehen. Und ich muss echt sagen es hat sich gelohnt. 12 Uhr war Einlass, die Wartezeit in der Schlange hielt sich in Grenzen, vor der Bühne war’s erwartungsgemäß leer, dritte Reihe war kein Problem, auch erste Reihe wär noch gegangen. Andrew “Mr. Summerjam” Murphy ließ es sich nicht nehmen Sebastian vor seinem Auftritt in den höchsten Tönen zu loben und alle Mitglieder der Band persönlich mit Umarmung zu begrüßen. Da bestehen anscheinend schon seit Jahren enge Bande, und es war echt lustig mit anzusehen. Auch Sebastian und der Jin Jin Band schien die Sonne aus dem Arsch (die übrigens pünktlich zum Auftritt volle Möhre auf uns runter ballerte), und man konnte ihnen ansehen wie sehr sie sich über den Auftritt beim Summerjam gefreut haben. Immer wieder hat Sebastian in der Crowd bekannte Gesichter entdeckt und mit Peace-Zeichen gegrüßt. Und bei jedem Solo, egal ob Keyboarder, Gitarrist oder Bassist, kam das dickste Grinsen zu Tage das man sich vorstellen kann. Das hatte irgendwie was von einem Privatkonzert, auch wenn wir bestimmt im vierstelligen Bereich waren was die Besucherzahlen anging. Der Sound ist halt einfach genial, und wenn man sieht dass der Artist an seinem Auftritt genau so viel Spaß hat wie man selber, macht das die Sache noch geiler. Die Ansagen vor den Songs hat Sebastian außerdem auf deutsch gehalten, was ich persönlich sehr “real” finde (klingt nach Klischee, trifft die Sache aber gut). Bei anderen Artists wie Patrice oder Gentleman hab ich mich immer geärgert dass die ihre Ansprachen auf englisch (bzw. hier dings Jamaica Dialekt, Wort fällt mir nicht ein) halten. Klar, in der Crowd sind auch Leute die des deutschen nicht mächtig sind, aber das Festival findet nunmal in Deutschland statt, die meisten Leute reisen aus Deutschland an, die Künstler kommen aus Deutschland, warum soll man da nicht auf deutsch zu den Leuten sprechen? Naja, hat mich jedenfalls gefreut dass er’s auf deutsch gemacht hat, war quasi das Tüpfelchen auf dem I. Me is Sebastian Sturm Supporter from the heart.

8. Fazit

“Melting Culture and Styles” war das Motto, und es hat gepasst. Dieses Jahr war extrem viel HipHop am Start, was mich echt gefreut hat. Ich war ein bisschen gepisst dass Splash und Summerjam auf dasselbe Datum gefallen sind, denn die Acts vom Splash hätte ich auch gerne mal Live gesehen, allen voran Olli Banjo. Aber der Summerjam 07 war ein guter Ersatz, und ich bin auf meine Kosten gekommen was guten HipHop angeht. Reggaetechnisch hab ich mich ein bisschen zurück gehalten, T.O.K. musste aus gruppenzwangtechnischen Gründen sein, war mir aber zu sehr Lady-Musik. Achso, hab ich gar nicht erwähnt: T.O.K. haben bei ihrem Auftritt eine voluminöse Schwarze aus Trinidad auf die Bühne geholt und ihr ein Ständchen gesungen. Die Alte hat dann noch ein bisschen zum Soca-Riddim mit dem Arsch gewackelt und Krempel geschenkt bekommen. War ne lustige Einlage, hat aber den For-The-Ladies-Mostly-Eindruck nur verstärkt. Sizzla war auch so ne Sache, hat mir nicht wirklich gefallen. Sean Paul kannste eh in die Tonne drücken, hab ich mir nicht gegeben. Sebastian Sturm war in meinen Augen der einzige der die Red Stage wirklich verdient hat, und hoffentlich nochmal einen großen Bekanntheits-Boost erfährt. Ansonsten war grüne Bühne angesagt, war besserer Sound und nicht ganz so derbe voll, viel entspannter.

Insgesamt bin ich aber zu dem Ergebnis gekommen nächstes Jahr auf den Jam zu verzichten. Es nervt einfach tierisch dass die viele Sachen nicht gebacken kriegen (ordentliche Duschmöglichkeiten z.B.) und alles unlockerer wird. Das Raggakings-Team beispielsweise (die hier mein ich, die hab ich da wiedergetroffen), das mit Militärbus angereist ist und auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang bisschen Party veranstaltet hat, musste schon nach kurzer Zeit den Sound wieder ausmachen, weil zwei Security-Typen auf fuffziger Rollern ihren Sack aufgebläht haben und meinten es wär zu laut. Standgebühr fürn Arsch, enttäuschte Gesichter.

Außerdem ist so’n Festival immer extrem wetterabhängig, und ehrlichgesagt hab ich auf Schlammfeste keine Lust mehr. Ich will nicht sagen “Ich werde zu alt für diese Scheisse”, aber es törnt mich nicht mehr. Außerdem habe ich irgendwie den Eindruck dass man vielen guten Künstlern nicht gerecht werden kann, wenn man sie sich auf einem Festival anguckt. Oftmals laufen da zwei geile Shows gleichzeitig, und man muss auf eine verzichten. Oder es sind so viele gute hintereinander, dass man nach dem zweiten Act einfach keine Power mehr hat volles Rohr abzugehen. Da gehe ich in Zukunft lieber auf Konzerte, weiss vorher was mich erwartet, kann vollen Einsatz geben, und wenn die Show vorbei ist kann ich nach Hause fahren und mich in mein warmes, trockenes Bett legen. Call me Weichei, aber ich ziehe mein Bett einem Schlafsack und Luftmatraze vor. Und duschen und scheissen lässt es sich zu Hause auch entspannter.

So, habe fertig. Hat ja auch lange genug gedauert jetzt. Ich glaub ich schreib an dem Post schon seit heute Nachmittag. Heavy shit Maaaahn! Ich hoffe es war was interessantes für euch dabei. Wenn noch was fehlt bidde bescheid sagen, ich hab keinen Überblick mehr. Fotos folgen dann die Tage.

EDIT: Achso, Klauen hab ich nicht erwähnt. Dem Ben ham se (mal wieder) das Handy abgezogen, mir ham se - während ich geschlafen hab - die Hose aus dem Zelt geklaut, und die 30 Ocken die noch drin waren und die halbe Schachtel Kippen mitgehen lassen. Krankes Volk.

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Discussion

3 comments for “Summerjam-Resümee”

  1. aloha!

    Habe es genau umgekehrt gemacht und mich fürs SPLASH entschieden. Trage Reggae im Herzen, aber Leipzig liegt eben deutlich näher an Bitterfeld ( wo das Splash stattfand) als an Köln und die Tickets waren kostenlos.
    Es hat mir gefallen, Snoop Doggs Auftritt war der Hammer. Mit Olli Banjo haben wir ein Interview gemacht. Ein sehr sympatischer Künstler mit absolut freundlichem Management. Und seine Bühnenshow hat mir am Besten von allen gefallen. Vorm letzten Lied hat er sich von allen gewünscht zu pogen. Das haben wir natürlich gerne gemacht…

    Das Reggae Zelt war eben chillig. Am Freitag Abend war Ray Darwin da. Ein netter Typ dessen Mucke aber eher in Richtung Sunshine Reggae geht. Danach war David Rodigan da und obwohl ich ihn schon bestimmt 5 mal gesehen habe, hat er mich begeistert. Auf eine ganz unschuldige, echte art hat er den Massen eingeheizt.

    Sag mal, hast du dir nicht mal Horace Andy angeschaut???
    Der wäre für mich absolut ein Grund gewesen die Fahrt zum Collogne Bay auf mich zu nehmen…

    Greetz,

    Gwen

    Posted by Gwen c-de | Juli 11, 2007, 13:47 Reply to this comment
  2. Ich beneide dich echt um die Auftritte von Snoop Dogg, Method Man, und den ganzen anderen geilen Acts. Vor allem das Konzert und Interview mit Olli Banjo hätte ich ja auch gerne gehabt. Wundert mich nicht dass das alles so chillig lief, genau das hätte ich auch erwartet.
    Kann man das Interview denn irgendwo sehen / hören / lesen? Wär echt nice wenn du nen Link hättest oder mir das Ding irgendwie zuschicken könntest, krieg davon nicht genug.

    Rodigan hätte ich auch gerne nochmal gesehen, bisher hatte ich nur einmal im U-Club die Gelegenheit (Silvester 06/07), und ich bin selten bei ner Party so ausgerastet.

    Und ja, was Horace Andy angeht, den hab ich nicht gesehen, sagt mir auch so ad hoc nichts der Name - Bildungslücke? Musste aber auch wegen der Erkältung meine Feierei extrem einschränken. Auf jeden Fall werd ich mir mal Sachen von ihm anhören, kann ich ja so nicht auf mir sitzen lassen ;)

    Was die Entfernung angeht war’s bei natürlich genau umgekehrt. Der Fühlinger See ist von hier aus maximal ne halbe Stunde entfernt, da ist man schnell am Start.

    mahalo,
    aloha

    Posted by alohastone c-de | Juli 11, 2007, 20:14 Reply to this comment
  3. aloha, danke und kudos für deinen bericht. horace andy als reggae liebhaber nicht zu kennen, ist wie, wenn ein hip-hopper talib kweli nicht kennt ;-) spätestens seit seinen combinations mit massive attack sollte auch nicht-reggae liebhabern der name etwas sagen: http://www.discogs.com/artist/Horace+Andy

    Posted by sam c-de | Juli 16, 2007, 13:22 Reply to this comment

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