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Brainstorm

Musikalische Zeitreise

Eine kleine musikalische Zeitreise in das Jahr 1997, genau 10 Jahre zurück. Der kleine aloha geht auf’s Gymnasium, in der neunten Klasse müsste er gewesen sein. Es war im Sommer, kurz vor den großen Ferien. Ort: der Musikraum. Vorne auf einem kleinen Podest sitzt auf seinem Höckerchen vor dem Klavier Herr Friedl. Ein rüstiger alter Mann, in den letzten Jahren seiner Beamtenzeit. Während des ganzen Schuljahrs hatte er uns mit Klassik oder Jazz (Jatzz sagte er immer dazu, nicht Dschääs) “malträtiert” (in Anführungszeichen weil ich das heute anders sehe, zumindest in Bezug auf Jazz und Blues). Immer saß er vorne neben seinem Plattenspieler, ließ einen von uns (meistens Regamy, den schwarzen aus Sri Lanka, an dem hat er sich am liebsten ausgelassen) in die Abstellkammer dackeln, und eine Platte rausholen. Die wurde dann genüsslich auf den Plattenteller gelegt, der wiederum wurde angeworfen, und dann hat er seine Plattenreinigungsbürste aus der Hosentasche geholt, mit seiner jahrelang eintrainierten Handbewegung aufgeklappt, und dann locker aus dem Handgelenk über das sich drehende Vinyl schwingen lassen. Dann legte er die Nadel auf, drehte die Lautstärke hoch, lehnte sich zurück, schloss die Augen, und genoss seine Musik. Ab und zu blinzelnte er kurz, um sicher zu gehen dass wir keine Scheisse bauten. Er wollte dass wir still dasitzen, die Lieder analysieren (sprich wie ist das Lied aufgebaut, welcher Rhythmus, all so’n Kram - von dem ich Null behalten habe), und hinterher einen “Vortrag” darüber halten. Haben wir natürlich nicht gemacht, wir haben entweder geflüstert, Briefchen geschrieben, Zeug ins Notenheft gemalt, oder waren mit der Nachmittagsplanung beschäftigt. Ich für meinen Teil war gedanklich immer schon auf dem Wendehammer, auf dem wir immer Skatehockey gespielt haben. Skates und Schoner angezogen, Schläger, Ball und Tor eingepackt, die Jungs zusammentrommeln, beim Christoph die Kabeltrommel anschließen, Ghettoblaster anschließen, Punkrock rein, und dann gib ihm.

Aber ich schweife ab, wir sind ja immer noch im Musikraum. Herr Friedl begrüßte uns an diesem Tag mit den Worten “Kinder, heute ist die letzte Musikstunde vor den großen Ferien. Ihr wisst was das heisst: heute dürft ihr die Musik aussuchen”. Das war uns immer die liebste Musikstunde. Endlich mal kein Klassikgedudel sondern ordentliche Mucke!

Zwei Leute hat er immer ausgesucht, die durften vorne an der Anlage Platz nehmen, und Musikwünsche von der Klasse annehmen. Alle hatten ihre Lieblings-CDs eingepackt, und wenn man zu den Coolen gehörte, wurde einem kein Wunsch abgeschlagen. Glücklicherweise war ich einer von den Hinterbänklern, leistungsmäßig eher im unteren Mittelfeld, connectiontechnisch aber ganz vorne mit dabei.

Ich hatte meine Ixnay On The Hombre eingepackt, auf die hatten wir sehnsüchtig gewartet, und sind am Releasedate direkt in den Laden gelaufen um einer der ersten zu sein. Die gab ich also nach vorne, mit dem Kommentar: “mach erst Lied neun an, lass durchlaufen, und dann lass Track zehn laufen.” - “Was zwei Lieder direkt?” - “Vertrau mir einfach Alda, lass durchlaufen.” - “Alles klar.”

Track neun wurde also eingelegt, wer das Album kennt weiss was kam: “Welcome to Intermission.” Und dann so ein Klassikgedudel. Döp döp döp, dödödödödöp. Herr Friedls Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen. Er guckte als wollte er sagen “What the FUCK Junge? Watn nu los hier? Sach bloß meine Bemühungen den jungen Leuten gute Musik nahe zu bringen haben gefruchtet!” Den Unterbrechungen im Track (”Yeaaah, Intermission.”) und dem andauernden “Aaaaaaaaah.” traute er aber nicht über den Weg. Das tolle Lied, so verhunzt!
Klein aloha hat sich ein Loch in den Arsch gefreut. “Wenn der wüsste” dachte ich. 48 Sekunden lang pure Vorfreude auf Track zehn. Köstlich! Und dann die Gesichtsausdrücke meiner Klassenkameraden/Innen, die sagen: “Leidet der jetzt an totaler Geschmacksverkalkung? Was is das für’n Scheiss?” Und der Selecta vorne an der Anlage, der so aussah als würde er bereuen sich jemals auf meine Scheissideen eingelassen zu haben. Herrlich!
Der einzige Mitwissende war Olli, mein damaliger bester Kumpel. Der wusste auch was kam. Und wir bekamen das Grinsen nicht mehr weg. “MUAHAHAHA, DIE werden sich wundern!”. Ich glaube diese 48 Sekunden gehörten zu den schönsten meiner ganzen Schulzeit, selten so ne Vorfreude gehabt.

Track neun ging also dem Ende zu, der Showdown stand bevor. Döp döp döp, dödödödödöp döp döp. Zack, 1 Sekunde Stille. Und dann: “OK —— JAJAJAJAJA!”


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Da wusste Friedl der Schniedl dass seine Bemühungen umsonst waren.
Those were the days.

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Discussion

4 comments for “Musikalische Zeitreise”

  1. Au - Jau - viele blaue Flecken vom Moshpit und Diven - grandioses Brett!

    Posted by sub c-de | Oktober 4, 2007, 08:47 Reply to this comment
  2. (Punk-)Rockkonzerte sind halt doch die einzig wahren wenn’s um ordentlichen Pogo geht. Offspring live werd ich nie vergessen, das war mehr sportliche Aktivität und Sau rauslassen als Live-Musik hören. “Blut, Schweiss, Scheisse, Kotze”. Und Bier!

    Posted by alohastone c-de | Oktober 4, 2007, 17:18 Reply to this comment
  3. morgen sind die gorilla bisquits in ms - hab kurz überlegt… mal wieder schön auf straight edge abgehen - aber ich lass es liebeR!

    Posted by sub c-de | Oktober 4, 2007, 23:16 Reply to this comment
  4. Warum? Meinste du stehst das nicht mehr durch?

    Hast doch jemanden der dir deine Wunden leckt ;)

    Posted by alohastone c-de | Oktober 5, 2007, 02:03 Reply to this comment

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