Was man aus einer Runde mit dem Hund begleitet von gutem Gedudel auf den Ohren nicht alles lernen kann:
Mein Köter sieht im Vorgarten ne Katze sitzen, überlegt kurz (eigentlich isser nicht der typische Katzenhasser), und kläfft sie dann doch an. Die Katze sitzt unbeeindruckt da und lässt sich davon gar nicht irritieren.
Da denk ich mir: Hunde sind wie Männer. Wir sind nen bisschen blöd und stupide. Gib uns zu futtern, nen warmes und weiches Hundekörbchen, und möglichst viel Liebe, dann sind wir schon zufrieden. Wenn wir dir einmal unser Vertrauen geschenkt haben stehen wir zu dir, egal was kommt. Du kannst uns auf den Schwanz treten, wir werden kurz heulen und nicht checken was los ist, aber nur kurze Zeit später hüpfen wir wieder zu dir auf die Couch, vergessen die Sache, und lassen uns streicheln. Wir mögen ein bisschen treudoof sein, aber so simpel wir auch gestrickt sein mögen, in der Tiefe unseres Herzens sind wir gute, liebevolle Wesen - auch wenn unser Instinkt, den wir so gut es geht versuchen zu unterdrücken, uns manchmal dazu bringt an fremden Ärschen zu schnüffeln. Das ändert aber nichts an der Tatsache dass wir wissen wer unser Herrchen und damit der Boss ist.
Frauen sind da anders. Frauen sind wie Katzen. Frauen sitzen unbeeindruckt und selbstzufrieden im Vorgarten und lassen sich von unserem Gekläffe nicht beeindrucken. Sie wissen was das Gekläffe zu bedeuten hat, aber sie werden nur drauf eingehen wenn sie sich danach fühlen. Und wenn sie die Schnauze voll haben flitzt die Muschi über Dächer, Bäume, und Regenrinnen, über Wege die du selbst vorher nie für möglich gehalten hättest, und lässt dich mit deinem treudoofen Hundeblick im Rinnstein sitzen. “Bin ich so blöd oder ist die so schlau?” denkst du dann. Aber mehr lernst du aus der Geschichte nicht. Nachdem du den ersten Schock überstanden hast willst du eigentlich nur wieder jemanden finden der dich streichelt und mit dir auf der Couch kuschelt.
Und so bandelst du mit der nächsten Muschi an, reisst dir fast nen Bein aus und willst sie dazu bringen sich für deine Kunststückchen zu interessieren. Denn Katzen kann man nicht einfach ohne Vorwarnung streicheln. Wer das versucht wird danach tagelang seine Wunden lecken und versuchen die Kratzer aus dem Gesicht zu kriegen.
Katzen muss man sich langsam nähern. Katzen muss man mit viel Zeit und Arbeit zeigen dass man ihnen nur Gutes will. Und man muss abwarten…
- SCHNITT -
Telefon klingelt. Mein Alter ist dran und will wissen wie er aus dem Google Maps Screenshot, den er für sein Referat gemacht hat, den ganzen Desktop-Krempel (Startleiste, Browser, etc.) rausschneiden kann. Ich erklär’s ihm, sag dann “Alter, wenn ich jetzt statt bloggen an nem Buch schreiben würde, müssteste mir jetzt Konventionalstrafe zahlen weil du meine kreative Phase versaut hast”.
“Wenn du einmal draus bist, kannste auch gleich zur Tanke fahren und das übliche Kippen + RedBull Package kaufen” denk ich mir. Gesagt getan. iPod hab ich ja eh noch drin stecken. Will in die Hauptstraße einbiegen, fährt an mir nen gelber Corsa vorbei. Drin sitzt ein blonder Engel. “Whooozaaa!”. Hinterher!
An der roten Ampel steht sie vor mir. Guckt durch den Rückspiegel. Mustert mich auffällig lange obwohl ich ihr durch ihren Rückspiegel direkt in die Augen gucke. Kein “oh der guckt zurück, schnell wieder weggucken”. Schöne Augen hat sie. Die Wimpern schön lang und schwarz, die blonden gelockten Haare hinten hochgesteckt. “Schöne Katze” denk ich und stell mir vor wie die Augen aussehen wenn sie geil wird.
Rübba übba die Ampel, Blinker rechts zur Tanke. Sie macht ihren auch an. “Mmmmh” denk ich, “was ein Zufall!“.
Auto parken, rein in den Schuppen, RedBull eingepackt, zur Theke, “Erster!”. Aber kein Tankwart da. Bin der letzte der da nervöse Zuckungen kriegt, also geschmeidig warten. Geht die Schiebetür auf, stellt sich jemand hinter mich. 20 Sekunden vergehen, immer noch kein Tankwart in Sicht. Kommt die Person hinter mir neben mich um mich anzuquatschen. Noch ne Katze Alter! Und ne schöne noch dazu! Dunkle Haare und ne süße Mütze (so eine mit Ohrenwärmer-Lappen und Bömmel obendrauf) an. “Rrrr” denk ich, “haben die heute Ausflug?”. Sie fragt mich “Gibt’s hier keine Klingel? Ist doch Scheisse!”
“Wieso” sag ich, “haste’s eilig? Auch Tankwarte müssen mal pinkeln, da ändert auch ne Klingel nichts dran.” “Haste Recht” sagt sie und macht den Eindruck als wär sie jetzt nicht mehr so gestresst. In dem Moment kommt die blonde Katze rein und begrüßt die dunkelhaarige Katze mit einem “Hallo!” das erahnen lässt dass sie sich kennen. “Guck mal an” denk ich, “im Club der schönen Muschis kennt man sich untereinander”.
Im “Privat-Bereich” der Tanke geht ‘ne Tür geht auf. Der Tankwart kommt raus, grinst erleichtert. War also wirklich sicken. Hinter mir kichert was. Er sieht die Schlange, sagt “Oh”, und hüpft in dem ich weiss ich muss mich beeilen und deute das mal durch den Jogger-Gang an, bin aber damit auch nicht schneller als wenn ich normal gehen würde -Schritt zur Theke. Scannt meinen Bull, Kippen noch dabei, ich greif in meine Gesäßtasche und hol ein Bündel gefaltete Scheine raus, den Fuffi außen (bei Donnie Brasco gelernt), blätter drin rum, geb ihm den Zwanni, und freu mich dass die Sache mit Auf-Dicke-Hose-Machen diesmal besser klappt als letztes Mal beim Optiker. Ich sag “Danke dir”, geh an den schönen Muschis vorbei, iPod wieder rein, ins Auto, RedBull aufmachen, und beide Katzen nochmal genau mustern als sie vor meiner Karre vorbeilaufen. Die schwarzhaarige setzt ihre Sonnenbrille auf, sieht damit noch besser aus als sowieso schon, und steigt in ihren blau-weissen Mini Cooper.
Die Blonde hat ne bench-Jacke und ne schwarze, enganliegende Hose an, und grinst mich nochmal an. “I love women” denk ich. “You know why? Cuz they love me back!”. Ich fahr los und mein iPod switcht auf’s nächste Lied: Method Man mit “Tease” - Zufall? Glaub ich nicht!
Eine Viertelstunde meines Lebens, mit ganz vielen Kleinigkeiten, die auf mich den Eindruck machen, als würde wiedermal alles zusammen passen und es irgendjemand gut mit mir meinen. Für den Rest des Tages hab ich gute Laune. Und warum? Nur weil mein Alter mich in meiner kreativen Phase interruptet und mir damit das richtige Timing für eine Muschi-Schau sondergleichen beschert hat. Danke Alter!
Die Geschichte mit den Katzen und den Hunden brechen wir an der Stelle mal ab, denn mehr Happy End würde dabei auch nicht rumkommen. Fazitär kann man sagen dass ich nach 24 einhalb Jahren eingesehen hab dass Katzen schlauer und schöner sind als Hunde, und Hunde auch glücklich sein können wenn sie das als unumstößlichen Fakt akzeptieren, und sich einfach nur an der Zeit, die sie in Einklang mit den Katzen verbringen können, erfreuen. Das schönste Gefühl auf dieser Welt sind die bewusst erlebten positiven Vibes zwischen uns und den Katzen. Und egal wie oft uns eine von ihnen das Herz zerreißt, wir dürfen nicht müde werden weiterzumachen und nach der Einen, der Richtigen zu suchen, um unser Leben mit ihr zu teilen und gemeinsam neues zu erschaffen.
“What can I say? I am a romantic and I enjoy the sentimental tunes.”
- George Carlin

Uta : 19 Dezember 2007 at 00:37
*snief* Gut geschrieben und verdammt passend, mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen!
*muuuh*
nichtschwimmer : 19 Dezember 2007 at 14:40
Tolle Story. Großartig geschrieben. Davon will ich mehr!
alohastone : 20 Dezember 2007 at 04:13
Danke! Sowas hört man gerne